Aug 11, 2008
Hamburg ist nicht Berlin
Hamburg
Hamburg steckt in der Großstadtpubertät. Deswegen hat es eigentlich Mitleid verdient und keinen Spott. Aber eine Stadt, die ihre Hauptflaniermeile Mönckebergstraße nennt, muss Sinn für Humor haben. Wenn auch einen sehr bizarren. Dafür allerdings ist der Hamburger Humor wiederum bekannt: trocken wie Gefängnisbrot und ähnlich lustig. Aber ob man Gefängnisbrot nun mag oder nicht, ist eine Geschmacksfrage und deswegen nicht abschließend zu klären.
Zu einer Pubertät gehören Pickel, große und hässliche Pickel, die gibt’s in Hamburg auch, da heißen sie Grindelhochhäuser. Das sind Gebäude, die man in Berlin irgendwo östlich von Marzahn versteckt hätte: hier sind sie denkmalgeschützt. Aber Berlin ist der falsche Maßstab, denn die Hamburger sind ja auch irrsinnig stolz auf drei Quadratmeter Wasser in der Innenstadt, die sommers derart stinken, man fragt sich, womit Hamburger ihr Wasser waschen. Fragt sich das Wasser auch, während es sich alle paar Minuten aufs neue im Strahl erbricht. Die Hamburger sagen dazu Fontäne.Weil die Mönckebergstraße um 19:00 schließt, musste sich Hamburg eine zweite Flaniermeile für nachts anschaffen, die Reeperbahn. Tagsüber liegen auf dem Spielbudenplatz schnarchende kiribatische Seemänner, sanft gebettet zwischen Spritzen und Glasscherben, weil sie am Abend davor ihre Jahresheuer versoffen haben. Die werden dann kurz nach sieben weggeräumt (die Seemänner, nicht die Spritzen, die braucht ja vielleicht noch wer). Abends wird die Reeperbahn zum Mallorca all derjenigen, die sich Mallorca nicht leisten können. Junggesellenabschiede, Klassenfahrtsbesäufnisse, ein paar kiribatische Seemänner auf der Suche nach der Herbertstraße – Party wie in Papas Hobbykeller zum 15. Geburtstag. Macht auf der Reeperbahn versehentlich doch mal ein netter Club wie das Mojo auf, wird überprüft, ob da einmal die Woche Klaus und Klaus gespielt wird. Wenn nicht, wird er wieder zugemacht. Alternativen gibt’s nicht, die Schanze oder Altona ist nur was für Leute, die sich Kreuzberg nicht zutrauen. Und in Winterhude tauschen sich biber- und fuchspelzbehangene Klappertanten über die Honorare ihrer Scheidungsanwälte aus. Falls Deutschland doch noch mal mit Atombomben experimentieren wollte, Winterhude wäre ein hervorragendes Testgebiet.
Ick als Berliner sach jetz` einfachmal…jar nuescht – und freu mir heimlich.
hihi hört sich ja schlimm an aber irgend wann wird auch HH erwacksen^^
Das hört sich echt nicht gut an :/